Donnerstag, 31. März 2011

Volkszählung

Bei mir ist heute eine wenig Weihnachtsstimmung aufgekommen. Nein, auch in England fängt das nicht schon im März an, aber wir haben erneut offizielle Post bekommen. In der Europäischen Union ist Volkszählung angesagt und die Unterlagen dafür wurden uns heute zugestellt. Wir dürfen jetzt ganz tolle Fragen beantworten. Was wir machen und wie lange wir hier wohnen etc.
Volkszählungen haben ja in Deutschland einen schlechten Ruf. Lange vor Vorratsdatenspreicherung, Stasi 2.0 und der Piratenpartei hatten die Menschen in (West)Deutschland 1987 ziemliche Vorbehalte gegenüber einer Befragung, weil man befürchtete das Missbrauch und Überwachung damit einhergehen. Es gab Proteste und Boykottaufrufe, die von vielen befolgt wurden. Deswegen wurde seitdem keine Zählung mehr in Deutschland gemacht, obwohl das an sich einen sinnvollen Grund hat. Die statistischen Daten über die Bevölkerung können nämlich neben einer direkten Befragung nur geschätzt werden. Laut Statistischen Bundesamt hatte Deutschland am 31.12. 2009 eine Bevölkerung von 81.802.257 Menschen. Eines ist sicher. Diese Zahl stimmt nicht (zu 99,9%). Denn woher will man genau wissen wieviele Menschen in Deutschland wohnen wenn man sie nicht ganz genau gezählt hat. Man kann sie nur schätzen. Und Schätzungen sind oft nicht sehr präzise. Die letzte Volkszählung hatte eine deutlich geringere Bevölkerung offenbart als vorher geschätzt. Kommunen neigen nämlich dazu eher zu viel als zu wenig Bevölkerung zu schätzen.
Dieses Jahr soll auch in Deutschland wieder gezählt werden. Ich wäre nicht überrascht wenn da am Ende Deutschland plötzlich eine Million Einwohner weniger hat. An sich sind Volkzählungen sinnvoll. Ohne sie ist es nämlich schwierig richtig zu planen. Wo müssen Straßen, Schulen oder Wasserleitungen hin. Wer bezahlt zu wenig Steuern und wer braucht im Zweifel mehr Kindertagesplätze. All dies lässt sich nur mit einer Datengrundlage planen. Das weiß ich deswegen so gut, weil es zum Teil mein Job ist sowas zu wissen und mit sowas zu arbeiten. Für irgendwas muss ja ein Geograph gut sein. Ich bin der Überzeugung das Volkzählung die Gerechtigkeit erhöhen. Und wenn die Welt ungerecht ist, dann liegt es nicht an der Volkszählung.
Ich kann natürlich verstehen wenn Leute skeptisch sind und ihre Daten nicht rausrücken wollen, aber in Zeiten von Facebook, Rabattkarten und Blogs (*hüstel*) finde ich es schon ein wenig verlogen wenn dem Staat verweigert wird zu sagen wie viele Menschen in deinem Haus wohnen (Trennung von personenbezogenen und statistischen Daten ist natürlich Vorraussetzung). Vielleicht steigt die Aktzeptanz wenn man den Teilnehmern 50 Payback-Punkte gibt?
Naja aber Badesalz hat uns ja mal gezeigt was man tun soll wenn die Volkszählung an der Tür klingelt. Nur leider gibt es in England kein Clausthaler.

Quiz:
Aber was hat das mit Weihnachten zu tun?

Mittwoch, 30. März 2011

Kreuzchen machen

Heute lag Post bei uns im Flur die an mich adressiert war. Ich darf in England wählen gehen. Im Mai sind Wahlen für den "City Council", den Stadtrat. Gleichzeitig soll über eine Reform des Wahlsystems abgestimmt werden.
Jetzt wird dich der ein oder andere Fragen: "Darf der das?" Ich bin ja schließlich kein Untertan ihrer Majestät, kein Staatsbürger der Britischen Inseln oder des Vereinigten Königreich oder was auch immer man in England alles sein kann. Als ich zuletzt auf keine Pass geschaut habe, stand da immer noch "Bundesrepublik Deutschland" auf dem Deckel. Und wie ich gerade in einer Hausarbeit geschrieben habe ist es nur Staatsbürgern vorbehalten zu wählen. Das gehört zu den Rechten der Staatsbürger. Dabei ist es egal ob man in dem Land gerade ist oder nicht. Wäre am Sonntag Bundestagswahlen, würde ich auch daran teilnehmen können, selbst wenn ich gerade im Ausland lebe. So ist das. Aber wenn ich als Ausländer in einem Land lebe, dann bin ich ja kein Staatsbürger diese Landes, deswegen steht es mir auch nicht zu dort zu wählen. Grundsätzlich zumindest.
Auf meinen Passdeckel steht aber noch eine Kleinigkeit über dem Namen meines Landes. Nämlich "Europäische Union" Wie wahrscheinlich alle Leser und Leserinnen dieses Blogs bin ich nämlich gleichzeitig auch Bürger der Europäischen Union. Das bedeutet ich darf in der EU all das machen was ich Deutschland auch machen darf. Ich darf wohnen wo ich will, arbeiten zu den Bedingungen die für alle gelten und werde auch die Fürsorge des Staates darf bei mir nicht aufhören. Würde ich hier in England arbeiten gelten für mich die gleichen Bedingungen des Mindeslohns und des Arbeitsschutz. Wenn ich krank werde muss sich der "National Health Service" um mich kümmern. Und ich darf eben auch wählen. Zumindest auf dem kommunalen Level. Und der Stadtrat ist genau das.
Ich kann also einen Abgeordneten wählen (in England wählt man keine Parteien direkt, sondern nur deren Kanidaten) und ihn ins Rathaus schicken. Ich kann sagen ob ich der Meinung bin das Wahlsystem in England muss reformiert werden. Dies ist zwar keine zwingende Volksabstimmung, mehr eine offizielle Meinungsumfrage, aber dennoch interessant. Es geht um nicht weniger als der Schwenk von einem Mehrheitswahlrecht zu einem Verhältniswahlrecht, wie in Deutschland. Die kleinen LibDems fordern nämlich genau das von ihrem Koaltionpartner den konservativen Tories. Das würde bedeuten, dass Koalition wie in Deutschland häufiger würden, da nicht mehr nur die beiden großen Parteien Labour und Tory die Mehrzahl der Parlamentssitze bekommen würden.
Nun kann mir die Wahl eigentlich allerdings egal sein, weil ich im April ja wieder zurückreise und Plymouth und England selbst sobald nicht wiedersehen werde. Aber ich könnte auch Briefwahl beantragen. Das Recht dazu habe ich.

Dienstag, 29. März 2011

London revisited VI - Mind the Gap

Am Sonntag war mein letztes Bogenschießen in England. Ich hoffe es war nicht das letzte mal generell. Aber dabei ist mir wieder klar geworden das Bogenschützen ein besonderes Völkchen sind, die alle eine gewisse Faszination für Dinge haben die andere Leute als kompliziert oder ideotisch finden. Dinge die sie nicht verstehen können oder verstehen wollen. Dinge die andere Menschen einfach hinnehmen ohne sich mehr damit zu befassen. Das können Computer sein, Brücken oder einfach nur historische Bücher. So gibt im Archery Club Studenten der Informatik, des Bauingenieurwesen und der Geschichte (mit dem Ziel Archivar zu werden!).
Bei sowas frage ich mich natürlich wo denn mein Spleen liegt (nicht das ich den drei genannten Dingen nicht etwas anfangen könnte). Da habe ich mich an meinen Besuch in London erinnert (oder vielmehr an beide Besuche). Aus einem Kindheitserlebnis in Nürnberg habe ich, so vermute ich es mal, eine Faszination für U-Bahnen entwickelt. Diese hat mich sogar schonmal zu einem Praktikum in München bei dem örtlichen Verkehrsverbund geführt.
Deswegen war in London die "Tube" zu sehen und mit ihr zu fahren (und sich über sie ärgern) was ganz besonderes für mich. Die Tube ist die älteste und größe U-Bahn auf der ganzen Welt. Daher wurde in London jeden Tag fleißig ein Tagesticket gekauft und bei jeder Gelegenheit (und darüber hinaus) fleißig im Underground herumgefahren.
Ich finde es schwer zu beschreiben was und warum ich so gerne mich mit Zügen die durch Tunnel fahren beschäftige, aber die Londoner U-Bahn und U-Bahnen im allgemeinen haben nicht nur für mich eine Bedeutung. Das sieht man daran das die Wikipedia-Artikel zu U-Bahnen zu den besten gehören die ich kenne. Es muss also noch andere Idioten außer mir geben. Auch kann man überall Fanartikel der U-Bahn kaufen. Ich habe sie nicht gekauft. Ich finde wohl das System und die komplexe Dynamik des ganzen so interessant, auch wenn ich Geograph und kein Verkehrsingenieur bin.
Übrings gibt es sogar für mich fachlich interessante Sachen über die Londoner U-Bahn zu sagen. So war die erste Linie eine Revolution in Transport- und Stadtgeographischer Perspektive. Auf der einen Seite hat die U-Bahn es ermöglicht, dass sehr viele Menschen relativ billig, relativ schnell innerhalb einer Stadt sich bewegen konnten. Plötzlich konnten die Menschen tagtäglich mehr erreichen, außer dem was ihre Füße erlaubten.Und das erlaubte auf der anderen Seite die enge der Städte zu durchbrechen. Städte konnten sich nun räumlich deutlich mehr ausdehnen. Und gleich die erste Linie ("Metropolitan Line") zeigte dies perfekt. Sie verband zwar erst nur innerhalb der Stadt ein paar Bahnhöfe, wurde aber bald erweitert und fuhr bis auf die grüne Wiese hinaus. Die Bahngesellschaft war nämlich clever und kaufte dort billiges Land um es mit der Bahn zu erschließen und dann an Menschen zum Häusle bauen zu verkaufen. Damit machte man Gewinn und sicherte sich gleichzeitig zukünftige Fahrgäste. So wurde die Vorstadt geboren.
Es gibt auch noch eine Anekdote über die ersten Züge. Die wurden billig in Frankreich hergestellt um dann in London festzustellen das sie zu groß für die Tunnel waren. Ich weiß nicht ob die Geschichte stimmt, aber bei allem was ich über Engländer weiß finde ich sie glaubhaft. Auch der kleine Tunnel in dem die Züge fahren, der wie eine Röhre aussieht (daher Tube), belegt zumindest die Möglichkeit. In jedem Fall passen in diese Tunnel nur ganz bestimmte Züge. Aber diese Dinge machen das ganze ja gerade so besonders.

Quiz:
Was hat "Mind the Gap" mit der Tube zu tun?

Sonntag, 27. März 2011

Newquey die zweite

Gestern wurde endlich war was seit October geplant wahr. Ein zweiter Besuch in der Surferhochburg des Landes: Newquey in Cornwall. Oberflächlich betrachtet kann man im Vergleich sagen: Früher war alles besser. Das Wasser war wärmer, die Wellen höher und das Wetter besser. Tatsächlich begann der Tag mit relativ gutem Wetter, welches allerdings leider gegen Mittag in sehr dichtem und relativ plötzlichen Nebel umschlug. Deswegen musste das Surfen abgebrochen werden. Das hat mich allerdings zu dem Zeitpunkt nicht gestört, da ich beim zweiten Wassergang gleich zu beginn einen Wadenkrampf bekommen habe und sowieso nicht mehr auf das Bord steigen konnte. Mangelnde Dehnübungen und das sehr kalte Wasser (unter 15 Grad) waren wohl die Ursache dafür.
Jetzt kann man natürlich sagen. Das ist aber doof! Hat bestimmt keinen Spaß gemacht...
Überraschenderweise war es dennoch ein schöner Tag. Nachdem der Nebel gekommen ist, haben wir dir Boards wieder zurückgebracht und haben einen Kaffee, bzw. heiße Schockolade getrunken. Da wo es warm war. Eine wollte sogar einen Tee geben was die Bedingung an den Rand ihrer Möglichkeiten brachte. Auf die Frage ob es grünen Tee geben würde, wurde mit einem direkten "Nein" geantwortet. Die Frage nach Earl Grey wurde mit einem Lachen verneint. Zwar nicht hönisch aber schon irgendwie drückte es die Lächerlichkeit der Frage aus. Es gebe nur Tee wurde verkündet, wobei allerdings nicht geklärt werden konnte was für einen. Erst die Bestellung offenbarte einen Schwarztee. Der war wohl aber wie alles andere heiße in dem Landen eher Alibi als wirklicher Genuss. Aber was soll man von einem Laden der seinen Hauptumsatz mit Bier und Pubspielen macht auch sonst erwarten?
Als wir wieder nach draußen gingen stellen wir einerseits fest, dass der Nebel Sonnenschein gewichen ist und das um die Ecke ein "Costas" war (Erstklassige Heißgetränke). Das nenne ich die praktische Anwendung von Murphies Law!
Danach haben wir noch die restlichen Strände von Newquey erkundet ohne nocheinmal nass zu werden. Todesmutig sind wir sogar in eine Höhle erkundet (Nass und nicht sehr tief - aber dunkel...) Am Ende des Tages war es doch ein schöner Samstag und nette Bilder und Erinnerungen gibt es auch. Und was will man am Ende mehr?

Quizfrage: Wer war Murphy?


Donnerstag, 24. März 2011

Neues aus der Anstalt

Neues aus der Anstalt ist eine bekannte Politiksatire die den aktuellen Politikbetrieb (also die Anstalt) satirisch kommentiert. Ich war nie ein großer Fan der Sendung, aber wenn man so in der (Online)Zeitung blättert, so kommen wirklich Vergleiche mit Irrenanstalten in den Sinn. Und ich rede nicht von unserer deutschen Regierung, auch wenn man dort scheinbar alle wie wild hin und her laufen und nicht so richtig wissen was sie eigentlich tun.
In England scheint die Regierung auch nicht so richtig zu wissen was sie eigentlich tut. Das Land ist bekanntermaßen in einer Rezession. Die Wirtschaft hat starke Probleme, das Pfund verliert gegenüber dem Euro immer mehr an Werte (wie war das mit der Eurokrise?) Arbeitslosigkeit und mangelnde Perspektiven sind ein Problem. Was macht da eine neue Regierung. Viele schöne Reformen. Man entlässt ganz viele Leute damit sich die vielen anderen Arbeitslosen nicht einsam fühlen, man erhöht die Steuern damit die Leute mehr kaufen und kürzt alles aus dem Militär und schönen Eisenbahnen zusammen. Besonders die Unis. Aber das ist ja nicht so schlimm, denn die Studenten können ja ohne Probleme selbst für ihre Ausbildung aufkommen.
Der neuste Erguss passt in diese Reihe und wird gerade heiß auf den Facebook-Seiten von meine neuen Bekannten hier diskutiert. Die Regierung hat nämlich beschlossen den Zugang zu den Universitäten für nicht EU-Bürger zu erschweren. Visas sollen strenger vergeben werden, Zuschüsse werden gekürzt und Englischtests verschärft. Die Regierung schätzt das so 25% weniger Internationale Studenten nach Großbritannien kommen werden.
Was ich nicht verstehe ist. ob das ernsthaft ein Ziel der Regierung ist. In Deutschland betont man ja immer wieder wie gerne man die Qualifizierten an den Unis und sowieso im Land haben will. Akademiker, besonders internationale sind eigentlich gerne gesehen. Fördern die Wirtschaft und sowas alles. Die Tories scheinen das aber nicht zu wissen. Für sie sind Internationale Studenten offentsichtlich nur potentielle Einwanderer die Engländer Jobs wegnehmen könnten. Ich meine klar, Studenten sind ein faules Pack. Besonders die aus Übersee. Die nehmen ein Haufen Geld als Kredit auf, ziehen in eine Land mit einer merkwürdigen Kultur, die vor allem nicht Britischen Angst hat, nur um hier auf Kosten der Einheimischen zu leben.
Aber so ist das halt. Die Menschen die ein Land regieren tun das leider selten weil sie so viele gute Ideen haben. Vielmehr glauben sie, dass sie total tolle Führer abgeben, obwohl sie keine Ahnung haben was sie eigentlich tun wollen wenn sie an der Macht sind. Traurig, traurig...
Frei nach meinem neuen Lieblingszitat: "Das Land braucht mehr Staatsmänner (und Frauen), und keine Politiker (oder Politikerinnen). Politiker denken an die nächste Wahl, Staatsmenschen denken an die nächste Generation"...

Quiz:
Welchen US-Präsidenten habe ich hier zitiert? (Ich hoffe das habe ich nicht schonmal gefragt)

Montag, 21. März 2011

Mein Auftritt als Schauspieler

Am Sonntag durfte ich einen Statisten in dem Film einer Bekannten miemen. In ihrem Filmprojekt geht es um Courage. Eine Frau liegt verletzt am Boden wird aber demonstrativ ignoriert. Nur einer kleiner Junge hilft ihr, kann sie aber nicht retten. Das ganze ist sehr symbollastig gedreht und kommt ohne Worte aus. Der Ton soll an sich sehr sporadisch eingesetzt werden, wie mir mitgeteilt wurde. Natürlich habe ich den Film noch nicht gesehen, weil er ja noch gar nicht fertig ist. Aber das drehen hat trotz des bedrückenden Themas Spaß gemacht.
Ich weiß nicht ob ich den Film jemals sehen werden, aber ich bin gespannt. Meine Aufgabe war es übrings traurig auf der Beerdigung auszusehen; desinteressiert vorbeizulaufen (man sieht aber nur meine Füsse) und unter einer Maske einen Arzt zu geben, der sehr ernst ist. Und das ganz ohne Worte. Ich hatte also keine Chance zu zeigen was für ein schlechter Schauspieler ich bin. Dennoch lernt man nie aus und die Erfahrung war nett.
Auch zeigt es mir, dass es durchaus andere Studiengänge gibt in denen man interessante Sachen macht. Auch außerhalb der Geographie. Für besagte Bekannte ist dies nämlich eine Prüfungsleistung im Studiengang "Media Arts". Das wiederum ist ein Studiengang den es in Deutschland gar nicht gibt. Er umfasst die Lehren von Film, Musik, Kommunikationkunst, Druck und so ziemlich allem anderem was man eben unter Medienwissenschaften und Kunst fassen könnte. Es ist sozusagen der Rundumschlag auf alles interlektuell Kunst-Kulturelles was die Postmoderne so zu bieten hat. Man kann es also als die Geographie der Kunstwissenschaften bezeichnen.
Nun mag es den ein oder anderen überraschen zu erfahren das es sich dabei um einen ziemlich großen Studiengang handelt, was also relativ viele Menschen belegen. Böse Zungen könnten natürlich anmerken das dieser brotlose Studiengang Menschen für das Arbeitsamt ausbildet. Dem muss aber gar nicht so sein. In Großbritannien nämlich reicht es oft für normale "white collar" Beruf (also Büroangestellte) irgendetwas studiert zu haben. Was ist eigentlich oft egal. Deswegen kann man auch in England mehr oder weniger beliebig (zu schlecht dürfen die Noten auch nicht sein) Studieren was der Studienmarkt gibt. Und da man ja hier viel Geld fürs Studium bezahlt und entsprechendes Angebot bekommt, kann man eigentlich alles machen was man will.
Deswegen gibt es hier so viele KunststudentInnen und wenig Leute die Chemie machen. Das liegt allerdings auch an der Uni. Ich möchte nur noch einmal anmerken das mein Studiengang total seriös und anerkannt ist. Es gibt viele tolle Berufe da draußen, die nur auf einen warten. Man muss sie nur finden. Und wissen was man eigentlich will...

Sonntag, 20. März 2011

Unsere südliche Nachbarn

Gestern bin ich Menschen begegnet die auch dafür bekannt sind eher in ihrem Land zu verbleiben und ihr eigenen Süppchen zu kochen und in sofern irgendwie in England Gleichgesinnte treffen. Ich rede von Schweizern. Tatsächlich kann ich mich gar nicht erinnern in Deutschland jemals überhaupt Schweizern begegnet zu sein. Eigentlich schade, weil die Schweiz aus meiner Wahrnehmung ein ganz besonderes Land ist.
Interessant fand ich es zum Beispiel das besagte Schweizer, mit denen ich deutsch sprach, deutsch (also Hochdeutsch) nicht anders sprechen als eine Fremdsprache, was man auch gemerkt hatte. Irgendwie denkt man immer die Schweiz (Deutschsprachiger Anteil ca. 65%) ja genauso sei wie Süddeutschland (zumindest wenn man aus dem Norden stamm). Dies ist aber gar nicht so. Die Schweiz ist einfach die Schweiz.
Und die Schweiz hat einige Besonderheiten. So wurde mir erklärt das die Schweiz nicht nur noch Wehrdienst hat, sondern das dieser Dienst quasi das ganze Leben gilt. So ist muss man nach 9 Monaten regulären Dienst als Mann in der Schweiz immer mal wieder zu Wehrübungen und soll als Revervist immer Allzeit bereit sein. Wofür fragte sich allerdings auch mein Gegenüber und erklärte das er den Wehrdienst verweigert hat und deswegen mal locker doppelt so lange Zivildienst leisten muss, wenn er sein Studium abgeschlossen hat. Scheinbar ist auch in der Schweiz die Angst vor einer Invasion so groß, dass man auch die entsprechenden Schnellfeuerwaffen zu Hause lagern darf. Und das obwohl der aktuell größte Feind der Schweiz, Libyen, gerade andere Probleme hat, wie die Nachrichten verkünden. Das mit den Schusswaffen hat übrings das Volk in einer Volksabstimmung vor einiger Zeit nochmal bestätigt.
Volksabstimmungen, direkte Demokratie und auch Allparteienregierungen sind merkmale des Schweizer Staats und wirkt aus unserer Perspektive mit Regierung und Opposition manchmal merkwürdig hat aber einen gewissen Charme. Auch wenn die Rechten unter Christoph Blocher vor vier Jahren da einiges durcheinander gebracht haben. Die Idee das man in der Regierung einfach mal alle Gruppen einbindet und sogut es geht Kompromisse findet, ist doch was gutes?
Grundsätzlich führt das nämlich dazu das die Menschen innerhalb der Schweiz relativ zufrieden sind mit ihrem Staat weil sie ihn ja selbst bestimmen können. Wenn etwas schief läuft wie zum Beispiel das Minarettverbot, dann kann man schlecht die Politiker dafür verantwortlich machen, sondern nur die Mehrheit des eigenen Volkes. Sündenböcke sind da schwieriger. Natürlich hat das auch seine Schattenseiten und die Tatsache das die Schweiz sich oft isoliert und total erst 1982 das Frauenwahlrecht eingeführt hat darf nicht vergessen werden, wenn man sich über eine schön funktionierende Eisenbahn freut. Alles hat seine negativen Seiten, aber im Schweizer Modell wird nicht so stark polarisiert und aus Prinzip gestritten, wie so oft in Deutschland. Und das finde ich grundsätzlich gut. Wenn die Schweiz jetzt noch aktzeptiert das ihr Bankgeheimnis weltweit eher Menschen schadet als hilft, dann kann fast gar nicht mehr meckern (auch wenn man immer etwas zum meckern finden würde).
Ist schon interessant was man so alles im Ausland lernt. Alles in allem würde ich gerne mal in die Schweiz. Und nicht nur um Ski zu fahren.

Quiz:
Zürich war bei meiner Erasmuswahl tatsächlich Drittwahl. Wer kann vermuten was meine Zweiwahl war? Das Land reicht.